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佐々木玄宗 Sasaki Gensō (1947-2019)

 

佐々木玄宗 Sasaki Gensō (born in Fukushima in 1947) studied eastern and western philosophy of religion at Waseda University in Tokyo. In 1967 he became student of the Zen master 大森曹玄 Ōmori Sōgen (1904-1994) and began his practice of calligraphy (筆禅道 hitsuzendō*) and of sword fighting (法定 hōjō**). 1983 Ōmori Roshi confirmed him as his successor.

In 1984 Sasaki Roshi founded the 龍雲禅堂 Ryū-Un-Zendō in Tokyo. Since 1992 he teaches at the Asahi Cultural Centre (Tokyo). As of 1990 he comes to Europe for sesshin.

Sasaki Gensō Roshi has developed an own method from the ancestral Rinzai tradition, which is transmitted from master to master. It comprises zazen, hōjō (the Zen path with the sword), hitsuzendō (the Zen path with the brush) and kōan practice.

*Ensō (圓相) – the zen circle – is a fundamental element in calligraphy practice, just like mujibō (無字棒), or "zen line", which is very much like the "zen stick". The followers of the Hitsuzendō school begin their practice with this single line, the brushing of which requires total concentration, the unity of body and mind, the attainment of "mindlessness" or "clear mind". Mujibō is the line of emptiness, like ensō is the circle of emptiness. He who can brush either of these lines perfectly, can find in them total concentration and attention, which can be utilized later on, in other calligraphy works or sumi-e paintings. With these simple forms it will be possible to grasp the object of the soul.

**Kashima Shinden Jikishinkage-ryū (鹿島神傳直心影流), often referred to simply as Jikishinkage-ryū or Kashima Shinden, is a traditional school (koryū) of the Japanese martial art of swordsmanship (kenjutsu). The school was founded in the mid-16th century, based upon older styles of swordsmanship, and is one of the few ancient Japanese martial arts schools still existing today.
Kashima Shinden Jikishinkage-ryū can be translated as the "divinely transmitted, honest reflection of the heart, school of Kashima". By repetitive practice, one maintains a constant connection with the cosmos by aspiring to jikishin (直心) unwavering intention and seimeishin (生命心) perfect clarity of mind, just like a cloudless sky on a brilliant sunny day. A practitioner who has attained heightened jikishin and seimeishin is said to have fudōshin (不動心) immovable heart. https://wiki2.org/en/Kashima_Shinden_Jikishinkage-ry%C5%AB

 

逓代伝法佛祖の名号
Teidai Denpō Busso no Myōgō

Ōmori Zenji's Dharma Lineage

[…]

白隱慧鶴 Hakuin Ekaku (1686-1769)
峨山慈棹 Gasan Jitō (1727-1797)
隱山惟琰 Inzan Ien (1751-1814)
太元孜元 Taigen Shigen (1768-1837)
儀山善來 Gisan Zenrai (1802-1878)
滴水宜牧 Tekisui Giboku (1822-1899)
龍淵元碩 Ryūen Genseki (1842-1918) [高木 Takagi]
精拙元浄 Seisetsu Genjō (1877-1945) [関 Seki]
牧翁祖運 Bokuō Soun (1903-1991) [関 Seki]
的翁曹玄 Tekiō Sōgen (1904-1994) [大森 Ōmori]
~~ 玄宗 ~~ Gensō (1947-2019) [佐々木 Sasaki]

 

Sasaki Genso Roshi ist am 24. Februar 2019 nach langer und schwerer Krankheit in die Verwandlung eingegangen.

Roshi sagte in einem seiner letzten Vorträge:

"In meinem Körper sind viele Teile kaputt, je kranker, desto gesünder! Kaputt OK, Schmerzen OK. Warum je kranker desto kranker? Wenn der Minus-Schneeball rollt, wird der Körper immer schwächer, bis zum Tod. Mein Doktor stellt die Diagnose, mein Geist ist unverändert. Der Samurai-Geist ist unabhängig, solche Phänomene erreichen ihn nicht und haben keinen Einfluss, Mu-Shin. Der zentrale Antrieb des Körpers ist der Geist, seine Entschlossenheit bündelt die Ki-Energie, sie bleibt voll, rein und fließend."

http://ryu-un-zendo.org/nachruf/

Sasaki Genso Roshi begegnete 1967 dem Zenmeister Sogen Omori Roshi und wurde sein Schüler. Vier Jahre später trat er als Laie der Zen-Gemeinschaft seines Lehrers bei, und Sogen Omori Roshi bestätigte ihn 1983 als Zen-Meister. 1984 gründete Sasaki Genso Roshi in Tokyo das 'Ryuun-Zendo' ('Ryu' heißt 'Drache', 'Un' heißt 'Wolke' und 'Zendo' heißt 'Zen-Weg'). Dort praktizierte und unterrichtete er Zazen, Koan-Schulung, Teisho, Hitsuzendo (Kalligraphie), Hojo (Schwertkampf), Samu (Arbeiten) und Betteln.

Es war im Jahr 1990, als er mit seinen 42 Jahren zum ersten Mal in ein Flugzeug stieg und ins Ausland reiste. Es war eine dramatische Zeit, nicht nur für ihn. Kurz vorher war sein Vater gestorben, an Krebs. Anfang 1989 starb der Tenno Hirohito, ebenfalls an Krebs, und das ganze Land trauerte tief. Im Frühjahr wollte er mit seinen Schülern zu den Zen-Klöstern in China fahren, alles war bereits geplant, doch in China brach die Revolte aus und die Reise mußte kurzfristig abgesagt werden. Das war sehr bitter für ihn, er wollte so gern dorthin und allein wäre er auch gefahren, aber seine Schüler konnte er nicht in Gefahr bringen, und die Regierung hatte stark gewarnt vor Reisen nach China. Schade, sehr schade, aber er konnte nicht fahren. Im Herbst wurde dann in Berlin die Mauer eingerissen, und auch in Japan saßen die Menschen wie gebannt vor den Fernsehern. Ein großer Wendepunkt in der Weltgeschichte, und auch im Leben des Meisters. Im November kam aus Deutschland, ganz unerwartet, die Einladung, dort, im fernen München, ein Sesshin zu leiten, im Tannenhof. Nach einigem Nachdenken sagte er zu und im Frühjahr 1990 flog mit einem seiner jungen Schüler über Seoul und Anchorage nach Frankfurt, dann weiter mit dem Zug nach München. Eine lange Reise, und nach dem Sesshin versprach er, bis zu seinem Tod immer wieder zu kommen. Im Jahr 1991 gründete Sasaki Genso Roshi in München das erste Ryuun-Zendo in Europa. Er kam dann jedes Jahr zu mehreren Sesshin nach Europa, sie fanden vor allem im Tannenhof, in Scheibbs und im Waldhaus statt. Das letzte Sesshin konnte er im Februar 2018 in Scheibbs leiten. Vor wenigen Tagen, im Februar 2019, ist Sasaki Genso Roshi in Tokyo gestorben.

Ein bekannter japanischer Dichter verfaßte kurz vor seinem Tode das folgende Gedicht:

tabi ni yande
yumewa kare no o
kakemeguru

krank auf der Reise
nur Träume ziehen weiter
über dürres Feld

Ein großer chinesischer Zen-Meister schrieb das folgende Testament-Gedicht:

mugen no kuge
rokuju shichi nen
hakucho enmotsu su
shusui ten ni tsuranaru

Träume, Illusion, leere Blume
siebenundsechzig Jahre
ein Schwan versinkt, ein Hauch
HerbstWasser fließt zum Himmel voller Blau

In einem seiner letzten Teisho sagte Sasaki Genso Roshi:
"Roshi ist ein großer Räuber. Dies ist eine Liebestat. Der Roshi-Räuber nimmt vom heiligen Martin den ganzen Mantel, auch die Hose und Unterhose und lässt ihn ganz nackt weiterziehen, ganz befreit. Wenn wir den Räuber in unser Haus einladen, öffnen wir ihm die Tür. Bitte Roshi, nehmen Sie! Nehmen Sie alles, ohne Rest! Dann können auch wir über unseren bisherigen Stand hinausgehen, hinter unsere bisherige Sicht schauen, unsere Perspektive wenden. Schlagartig befreit. Danke Roshi! Ja, ich danke euch auch. Wenn ihr ganz offen seid, sind alle Welten eure Augen. Auge zu Auge, Hand zu Hand, Körper zu Körper, Ki zu Ki, alle Welten zu allen Welten. Universale unglaubliche Symphonie erklingt!"

Und an einer anderen Stelle sagte er:
"Wie können wir in Zukunft miteinander in Europa praktizieren? Fundamental ist der Kern der Lehre, ein wahrer Meister, und die Begegnung von Mensch zu Mensch zwischen Meister und Schüler. Die reiche europäische Geschichte, die vielfältigen Kulturen und Traditionen können ganz andere Formen hervorbringen und bestehende verwandeln. Der gleiche Baum in Europa und in Japan wird aufgrund des Klimas und des Bodens anders wachsen und gedeihen. Er wird sich ganz natürlich mit den Bedingungen verwandeln. Ihr seid da ganz frei. Das ist wunderbar. Eure Gemeinschaft ist der Weg selbst und der aller Seienden. Schon zwei Wegfreunde gründen eine Gemeinschaft. Nicht die Anzahl ist entscheidend, sondern euer unermüdlicher Einsatz und eure vollkommene Hingabe. Eine größere Sangha ist nicht immer gleich besser, oft verhält es sich sogar umgekehrt. Entscheidend ist euer Brennen für die Übungspraxis, das Brennen des Einen entzündet den Anderen, ihr Brennen entzündet ihn, sein Brennen entzündet dich.  In unserer Gemeinschaft gibt es keine Hierarchie, sondern nur Rollen. In einer wahren Gemeinschaft gibt es keinen Neid, keinen Streit, kein Konkurrenzdenken. Übergebt euch der Flamme der Hingabe und verbrennt euer Verbrennen."

In tiefer Trauer, und mit großer Dankbarkeit,
seine Schülerinnen und Schüler in Europa

 

辞世の句 Jisei no ku
Todesgedicht von Sasaki Gensō

Wa ga ka ge ni
Koken mo za su ru
ho shi zu ku yo

Schatten hinter mir
ein einsamer Wildhund sitzt auch dabei
in Stille unter Sternenhimmel im Vollmond

 


Kalligrafien von Sasaki Gensô Rôshi für die Ruhrtriennale-Special, 20. Jul. 2011
https://www.kulturwest.de/inhalt/die-leerheit-ist-die-grundlegende-wirklichkeit/

K.WEST (Das Kulturmagazin des Westens): In der westlichen Kultur versteht man unter Kalligrafie so etwas wie Schön-Schreiben: die stilvolle Gestaltung lesbarer Ornamente. Wir besitzen aber eine Ahnung, dass Kalligrafie – hitsuzendô – in Ihrer Kultur ganz etwas anderes bedeutet. Sie kennen beide Kulturen, Ost wie West: Können Sie uns verständlich machen, was man unter der Kunst des »Zen-Wegs mit dem Pinsel« versteht?

SASAKI GENSÔ RÔSHI: Einen Pinsel mit sumi (Tusche) zu durchtränken, einen Punkt auf weißes Papier zu setzen, eine Linie und eine Form zu zeichnen – durch diese Hand-lungen richtest du deine Haltung auf, vertiefst deinen Atem und kultivierst deinen Geist, deine Energie (ki). Allmählich wird dein wahres Selbst fähig werden, frei auf dem weißen Papier zu tanzen, während es die Qualitäten des Pinsels ganz erfasst. Ein durchgehendes Wissen über die Beschaffenheit des Pinsels zu haben ist nicht anders, als zu deinem wahren Selbst zu erwachen.
»Verwende nicht deine Hand, sondern nimm den Pinsel in die Hand, um zu schreiben.« Wenn du das kannst, entfaltet sich gewissermaßen die Liebe zwischen dir und dem Pinsel, zwischen Tusche und Papier, die Liebe zu allem. Dasselbe kann auch für die Beziehung zwischen einem Schneidebrett und einem Messer gelten, zwischen einem Menschen und dem Universum. Dein Le-ben ist ein unaufhörlicher Prozess der Entfaltung. Dieser Prozess besteht darin, eine Gemeinschaft der Liebe mit den Menschen, denen du begegnest, zu errichten, mit allen fühlenden Wesen – eine Welt der Freiheit entfalten. Wir versuchen, das Licht, das von Buddha ausstrahlt, auf dem Papier zu zeigen; deshalb heißt unsere Kalligrafie hitsuzendô: der Zen-Weg mit dem Pinsel.

K.WEST: Oft sieht man in der Kalligrafie den Kreis. Aber mir scheint, dieser Kreis ist oft nicht geschlossen. Warum ist das so?

SASAKI RÔSHI: Der allen Wesen innewohnende Wert ist formlos und ungreifbar und damit unbeschreibbar; deshalb verkörpern wir ihn in einem Kreis (enso). Da wir einen »endlosen Kreis« zeichnen, um das Ganze zu verkörpern, geht er über die Vorstellung von »offen« oder »geschlossen« hinaus; deshalb ist es egal, ob der Kreis offen ist oder geschlossen. Er ist offen, während er geschlossen ist, und umgekehrt. Wir können sagen, dass der Kreis ganz offen ist oder ganz geschlossen. Die Welt ist endlose Weite und undenkbar tief.

K.WEST: Man sagt, das Schwerste bei hitsuzendô sei nicht der Kreis, sondern der Punkt, weil er ausdehnungslos sei. Wie kann man etwas malen, was keine Dimension besitzt?

SASAKI RÔSHI: Das ist eine sehr konkrete und sehr gute Frage. In der Kalligrafie ist jedes der vier Materialien (Pinsel, Tusche, Tusche-stein und Papier) wesentlich, aber der Pinsel ist besonders entscheidend. Seine Qualität liegt in seinen Haaren, die anders sind als jene der europäischen Pinsel. Der Pinsel, den ich etwa für die Ruhrtriennale verwendet habe, besteht aus sanften Pferdehaaren; sein Umfang ist 5 Zentimeter, seine Länge 16 Zentimeter. Es braucht lange Übung, um ihn frei verwenden zu können.

In der Geometrie wird der Punkt als Position ohne Ausdehnung definiert. In der Kalligrafie hingegen hat der Punkt eine freie Ausdehnung. Am Anfang wird der Pinsel senkrecht und fest auf das Papier gesetzt; man kann den Anfangspunkt nicht wiederholen, genauso wie man nichts im Leben wiederholen kann. Einmalig entsteht ein lebendiger Punkt. Wenn die Spitze des Pinsels sich auch nur ein wenig in eine andere Richtung bewegt, ist es nicht ein Punkt, sondern eine Linie. Kaum bewegt sich der Punkt, wird er zur Linie, und von denen gibt es unerschöpfliche Variationen; der Kreis ist eine davon. Der letzte Punkt, der auf das Blatt gesetzt wird, ist zugleich ein Anfangspunkt der nächsten Kalligrafie. Somit enthält der letzte Punkt eine Bewegung hin zum nächsten formlosen Punkt hin. Zwischen diesen Punkten, die nicht durch eine sichtbare Linie verbunden sind, besteht eine diskontinuierliche Kontinuität. Wir sehen, ein Punkt besteht aus seiner sichtbaren und seiner unsichtbaren Linie. In der täglichen Übung wird unsere Fähigkeit, unsichtbare Linien zu sehen, entwickelt. Der Punkt ist die Grundlage, der Ursprung und das Schwierigste. Im Vergleich dazu ist es viel einfacher, eine Linie zu schreiben. Im Drama des hitsuzendô wird alles großartig, wenn der erste Punkt gelingt. Um einen vollen und bebenden Punkt zu machen, müssen die Hand, die den Pinsel hält, und der Mensch, dem die Hand gehört, erwacht sein. Das genau ist der Grund, weshalb die Darbietung vor Publikum in der japanischen Teezeremonie und in den Kampfkünsten otemae (»vor Menschen seinen Punkt setzen«) genannt wird.

K.WEST: Gibt es Chancen des Verstehens zwischen zwei so unterschiedlich strukturierten Kulturen? Verstehen Sie die westliche Kultur, die westliche Kunst? Können wir die östliche, die japanische, die Zen-Kultur jemals verstehen?

SASAKI RÔSHI: Verstehen beginnt in dem Moment, in dem du einem außergewöhnlichen Menschen und seinem Werk begegnest, wenn du von ihnen getroffen und erschüttert wirst. Griechische Skulpturen, griechische Tragödien, Sokrates und die vorsokratischen Philosophen, die Bibel, J. S. Bach, Shakespeare, Chartres, der Kölner Dom und viele andere, sie alle haben mich sehr bewegt. Welch mächtiges Gewicht der Geschichte! Konfuzius sagte einst: »Diejenigen, die die Wahrheit lieben, sind besser als die, die sie kennen.« Wenn du dein Herz mit tiefer Lie-be öffnest, dann kannst du jeden Menschen, jedes menschliche Werk und jede Kultur verstehen, ja, das ganze Universum. Gerade weil Sie so eine reiche Kultur und Geschichte haben, können Sie mit Sicherheit auch die asiatische Kultur und die japanische Zenkultur verstehen. Goethe sagte: »Wer fremde Sprachen nicht kennt, weiß nichts von seiner eigenen.« Es ist notwendig, sich um ein Verständnis anderer Kulturen zu bemühen, um sowohl die eigene Kultur tiefer zu verstehen als auch andere.

K.WEST: Welche westliche Kunst oder Philosophie ist dem Zen, der Leere, am nächsten gekommen?

SASAKI RÔSHI: Ich bin von vielen großen Kunstwerken ergriffen worden, von der griechischen Antike bis in die Gegenwart. Mei-ne Intuition sagt mir, dass all diese Künstler zumindest in ihren Werken die wesentliche Erkenntnis erlangt haben, die im Buddhismus durch die folgenden Worte ausgedrückt wird: »Form ist Leere, Leere ist Form.« Als Beispiele kann ich alle Werke von Leonardo da Vinci nennen, Rembrandts Radierungen wie etwa »Die drei Bäume«, Cézannes »La Montagne Sainte-Victoire« und seine Aquarellmalerei sowie Kandinskys Spätwerk. Ich trage sie alle tief in mir.

In der Philosophie spüre ich eine besondere Affinität zu den vorsokratischen Denkern, zum Sprechen und Handeln von Jesus, zu Meister Eckhart, zu Nietzsche, vor allem zu »Zarathustra«; und zu Schopenhauer, der großen Einfluss auf Nietzsches Ideen hatte.

K.WEST: Ist Erleuchtung das erstrebenswerte Ziel für den, der sich dem Zen widmet? Und wenn ja, was ist Erleuchtung: eine Metapher? Oder ein anderer Zustand des Bewusstseins und des Wissens?

SASAKI RÔSHI: Dem Wort Erleuchtung haftet etwas Ungewöhnliches, Seltsames und zutiefst Mysteriöses an, sodass es leicht mit einer übernatürlichen Kraft assoziiert wird. Menschen neigen dazu, es durch vorgefasste Ansichten oder falsche Bilder verstehen zu wollen. Es ist schwierig, seine Bedeutung zu beschreiben, aber ich würde dafür den Ausdruck »Erwachen« wählen. Vom Standpunkt des Zen aus betrachtet, bezieht sich das Gebot von Delphi – »Erkenne dich Selbst« –, auf das Sokrates in seinen Dialogen oft verweist, nicht auf den Intellekt, sondern auf das Selbsterwachen, das unmittelbar körperlich und geistig erfahren wird.

Erleuchtung bedeutet zur Leerheit zu erwachen, und diese wiederum bedeutet, dass alle Dinge leer sind, frei von einer inhärenten Existenz. Sie äußert sich im unerschütterlichen Vertrauen, dass die Wahr-heit deiner Erfahrung eins ist mit der Wahrheit der großen Zenmeister, die die religiösen Lehren seit Gautama Buddha und Bodhidharma weitergereicht haben. Die formlose und ungreifbare Leerheit ist aber kein Ziel unserer Übung. Sobald du darauf zielst, machst du aus der Leerheit etwas, das du Leerheit nennst. Das ist ein grundlegender Irrtum, eine Illusion. Das wahre Erwachen ist keine Metapher, sondern die fundamentale Realität, die du in deinem Leben erfährst.

K.WEST: Das Zentrum des Zen ist Shunyata, die große Leere. Vielleicht ist schon Zentrum das falsche Wort. Wie vermeide ich aber, dass das Erreichen der Leere nicht zum Verlust des Mitgefühls und der Freude am Leben führt?

SASAKI RÔSHI: Die Leerheit ist die Grundlage des Zen. Wenn wir die Leerheit erfahren und zu ihr erwachen, wird das Wesen der großen Weisheit und des großen Mitgefühls nie mehr verloren gehen, selbst dann nicht, wenn das Universum zerstört und zu nichts wird, ohne eine Spur zu hinterlassen.

Ich möchte Ihnen zuletzt ein Gedicht des großen Meisters Chôsa Keishin zeigen. Während er zur Mönchsgemeinschaft sprach, sagte er:

Das ganze Universum,
in alle zehn Richtungen,
ist dein Auge.
Das ganze Universum,
in alle zehn Richtungen,
ist deine Sprache.
Das ganze Universum,
in alle zehn Richtungen,
ist dein ganzer Körper.
Das ganze Universum,
in alle zehn Richtungen,
ist das Leuchten deines Wesens.
Das ganze Universum,
in alle zehn Richtungen,
verweilt im Leuchten deines Wesens.
Im ganzen Universum,
in alle zehn Richtungen,
gibt es nicht eine Person,
die nicht dein Wesen ist.

Die Leerheit, die Chôsa zum Ausdruck bringt, ist keine Metapher, sondern die grundlegende Wirklichkeit

 

 

Die Kunst der Kalligraphie (PDF)
Der Zenweg mit dem Pinsel
Ein Vortrag von Sasaki Gensō Rōshi
Ruhrtriennale, Jahrhunderthalle Bochum, 2011. Seite 1-16.

 

 

A virág (花) írásjegye


Kalligráfia-gyakorlás újságpapír alapon: Sasaki Gensō rōshi és Halasi Sándor (Fotó: Hildegard Urbanek)

 

Az üresség az alapvető valóság (PDF)
Ulrich Deuter interjúja Sasaki Gensō rō
shival
Németből fordította: Halasi Sándor

Ecsettel járt zen út (PDF)
A kalligráfia művészete: Sasaki Gensō rōshi előadása
Bochum, 2011. augusztus 29.
Németből fordította: Halasi Sándor

 

 

michael kneffel fotografie: die kunst der kalligraphie, sasaki ...

Gensō búcsúverse*
Terebess Gábor fordítása

mögöttem árnyak
csak egy kutya ül mellém
csillagcsönd holdfény

*jisei [ejtsd: dzsiszei] (辞世の句 jisei no ku) = búcsúhaiku, halál vers.
Ro
maji & német fordítás

Nagy nyári zen-sesshin, Tannenhof, Németország, 2017. július 24-30.
(Halasi Sándor tájékoztatása szerint ezt a haikuját Sasaki Gensō rōshi ott és akkor idézte fel egyik teishō-előadásában.)